Partizipation: Hintergrund

Ein Schlüsselelement transdisziplinärer Forschung

Die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure ist ein wesentliches Element transdisziplinärer Forschung. Nur so lassen sich komplexe Probleme nachhaltig bearbeiten und Potenziale für gewünschte Wirkungen aktivieren und aufbauen.

Ein zentraler Bestandteil transdisziplinärer Forschung ist die Partizipation von außerwissenschaftlichen Akteuren am Forschungsprozess. Dabei kann es sich um Praxisakteure aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik und Unternehmen handeln, aber auch um betroffene oder interessierte Bürger. Die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure ist notwendig, um komplexe Problemlagen nachhaltig bearbeiten und das Potenzial für gewünschte Wirkungen aktivieren und aufbauen zu können. Damit umfasst sie mehrere Aspekte. Durch Partizipation erhalten gesellschaftliche Akteure Zugang zu Forschungsprozessen und die Möglichkeit, diese mitzugestalten. Darüber hinaus tragen sie auch zur Verbreitung von Forschungsergebnissen bei und können im Idealfall einen Mehrwert sowohl für ihre Arbeits- als auch ihre Lebenswelt erwarten.

Der Vorteil für die beteiligten Forschungsakteure besteht dagegen darin, dass sie Zugang zum Erfahrungs- und Expertenwissen aus der Praxis gewinnen. Sie lernen neue Sichtweisen auf das ihrem Projekt zugrunde liegende Problem kennen und beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Interessen und Bedarfe der gesellschaftlichen Akteure.

Wie diese Zwecke der Partizipation in der Forschungspraxis erfüllt werden, variiert projekt- und kontextspezifisch. Die Gestaltung von Partizipation ist also eng mit der Frage verbunden, wer zu welchem Zeitpunkt, in welcher Rolle und mit welcher Funktion involviert werden soll. Jedes Projekt benötigt hierfür ein individuelles Konzept, das für einzelne Projektphasen spezifische und angemessene Formen der Beteiligung vorsieht. Die Beteiligungsformen unterscheiden sich im Wesentlichen darin, wie die Kommunikation zwischen den Beteiligten und dem Projekt verläuft und welchen Einfluss die Beteiligten auf das zu generierende Wissen und die Projektgestaltung haben. Wir unterscheiden zwischen drei Formen der Beteiligung:

  • Information: Diese eher schwache Form der Beteiligung beinhaltet, dass die im jeweiligen Problemfeld relevanten Akteure über das Projekt oder seine Ergebnisse informiert werden, um Transparenz herzustellen. Umgekehrt gelangen Informationen und Daten in die Forschung durch die Erhebung von Erfahrungswissen mittels klassisch sozialwissenschaftlicher Methoden (z.B. Fragebogenerhebung, Fallstudien). Die Befragten haben hierbei kaum Einfluss auf die Projektentwicklung.
  • Konsultation: Bei der Konsultation geben ausgewählte Akteure Feedback zum Projekt. Im Idealfall bekommen sie ihren Beitrag zum Forschungsprozess und den Forschungsergebnissen zurückgespiegelt, beispielsweise durch Präsentationen der Zwischenergebnisse. In dieser beratenden Rolle können Praxisakteure direkt Einfluss auf die Projektentwicklung und die Projektergebnisse nehmen – und damit auf die Wirksamkeit des Projektes. Diese Art der Beteiligung, beispielsweise in Form von Beiräten, ist ein verbreitetes Partizipationsformat in der transdisziplinären Forschung.
  • Kollaboration: Durch ihre enge Beteiligung im Forschungsprozess haben kollaborierende Akteure Einfluss auf und Mitverantwortung für den Projektverlauf. Sie spielen eine gleichberechtigte Rolle bei der Wissensgenerierung und beteiligen sich an der Verbreitung und Implementierung der Ergebnisse. Diese Form der Beteiligung ist am zeitintensivsten.

Partizipation ist durch wiederkehrendes Öffnen und Schließen der Prozesse gekennzeichnet (Iteration). Dies ist besonders dann wertvoll, wenn es darum geht, Akteure oder Akteursgruppen in unterschiedlicher Anzahl sowie mit variierendem Umfang und wechselnder Intensität zu involvieren. Durch die Öffnung der Partizipationsprozesse kann eine größere gesellschaftliche Repräsentanz im Forschungsprojekt erzeugt werden, wobei die beteiligten Akteursgruppen in verschiedenen Prozessabschnitten durch unterschiedliche Personen vertreten sein können.

Beteiligungsformen mit stärkerem Einfluss auf die Gestaltung der Prozesse und der Ergebnisse finden oftmals in einem engeren Kreis statt. Im größeren Kreis werden dagegen Daten gewonnen und die Wissensbasis des Projekts angereichert. Das Öffnen und Schließen der Prozesse kann auch die Grenze zwischen inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit markieren: interdisziplinär erarbeitete Zwischenergebnisse werden unter Beteiligung der Praxis angereichert oder evaluiert.

Die Ergebnisse der Projektanalyse von TransImpact deuten darauf hin, dass eine geeignete Kombination von Beteiligungsformen sowie der gesamte Prozess mit iterativem Öffnen und Schließen wichtiger für die Wirksamkeit eines Forschungsprojektes sind, als die jeweils einzelnen, verwendeten Partizipationsmethoden. Weiterhin wurde deutlich, dass der konkrete Projektverlauf entscheidend für die Wirksamkeit und den Aufbau von Wirkungspotenzialen ist. Durch die Realisierung von Partizipation wird ein verantwortungsvoller Austausch mit gesellschaftlichen Akteuren ermöglicht. Dieser Austausch hat eine transformative Kraft und kann Veränderungen generieren. Alle Beteiligten aus Praxis und Wissenschaft profitieren von gegenseitigen Lernprozessen und von der Eröffnung neuer oder erweiterter Handlungsmöglichkeiten, deren aktive Wahrnehmung – vor allem durch die gesellschaftlichen Akteure – die Wirkungsentfaltung unterstützen kann. Die möglichen Wirkungen von Partizipation sind vielfältig:

  • Veränderung von subjektiven Wahrnehmungen eines Problems
  • gegenseitige Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Praxis
  • Akzeptanz und Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Aneignung neuer Kompetenzen durch den Austausch mit anderen Akteuren
  • Förderung bestehender sowie Bildung neuer Netzwerke