Thema: Partizipation

Gemeinsam forschen und lernen

Die Beteiligung von Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik an der Forschung ermöglicht es, praxistaugliche Problemlösungen zu entwickeln. Wie aber lässt sich Partizipation erfolgreich gestalten?

Eines der wichtigsten Motive für Partizipation ist, ein möglichst breites Spektrum an Perspektiven, Erfahrungen und Wissen über das in einem Forschungsprojekt bearbeitete Problem einzubeziehen. Damit ist die Erwartung verbunden, nachhaltige Lösungen entwickeln zu können, die für die Praxis anschlussfähig sind. Denn es wird davon ausgegangen, dass Erkenntnisse, die gemeinsam mit der Praxis erarbeitet wurden, auch besser von den gesellschaftlichen Akteuren angenommen, umgesetzt und weiterverbreitet werden können als solche, die ohne sie erzeugt wurden. Die praktische Umsetzung und gesellschaftliche Wirksamkeit wird auch durch die Beteiligung von Akteuren gefördert, die z.B. über Einfluss auf Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltungen verfügen oder Zugang zu wichtigen Netzwerken besitzen. Daher ist es – vor allem auf der strategischen Ebene – sinnvoll, Multiplikatoren zu beteiligen, die vermittelnd tätig sind und den erzielten Ergebnissen zur Umsetzung verhelfen.

Die Gestaltung von Partizipation wirft eine Reihe von Fragen auf: Wer soll zu welchem Zeitpunkt, in welcher Rolle und mit welcher Funktion involviert werden? Die Antworten unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Es wird also ein angepasstes Partizipationskonzept notwendig. Ein solches Konzept verknüpft zum einen die angestrebten Wirkungen mit den für jede Projektphase spezifischen Formen und Intensitäten der Beteiligung. Eine frühe Auseinandersetzung mit den potenziellen Wirkungen, insbesondere im Hinblick auf diese Fragen, ist also ebenso wichtig wie sinnvoll. Bereits in der Phase der Problemkonstitution wird der Grundstock für spätere Wirkungspotenziale gelegt. Nur wenn man eine Idee davon entwickelt, auf welche Weise ein Projekt Wirkungen entfalten könnte (antizipierte Wirkungsketten), lassen sich die Wirkungspotenziale positiv beeinflussen, etwa durch die Auswahl der zu beteiligenden Akteure und strategische Überlegungen zu ihrer Rolle.

Die Auswertung der Forschungsprojekte in TransImpact konzentrierte sich auf die eingesetzten partizipativen Methoden und Vorgehensweisen in der Phase der Problembearbeitung. Unsere Untersuchung hat ergeben, dass für die Wirkungen eines Projekts weniger die einzelnen Methoden und Vorgehensweisen der Partizipation entscheidend sind, sondern vielmehr eine reflektierte Kombination dieser Methoden. Dieser Methodenmix bildet sich im Partizipationskonzept ab. Zudem ist die Anpassungsfähigkeit dieses Mix an die Projektdynamiken essenziell für den Aufbau von Wirkungspotenzialen.

Die Abbildung unten fasst unsere Ergebnisse zur Bedeutung von Partizipation für den Aufbau von Wirkungspotenzialen zusammen. Es stehen zwei Elemente im Zentrum: Erstens das in der Phase der Problemkonstitution definierte gesellschaftliche Problem, das zu einer Rahmenbedingung für die Forschung wird. Zweitens die Reaktionsfähigkeit auf extern und intern verursachte Projektdynamiken. Wir nennen sie die Adaptivität des Projekts und betrachten sie als zentrales Handlungsprinzip, um Wirkungspotenziale aufzubauen.

TransImpact-Schema Partizipation

Schema zum Aufbau von Wirkungspotenzialen bei der Partizipation gesellschaftlicher Akteure

Möglichkeiten und Grenzen der Partizipation

Um die Möglichkeiten und Grenzen einer wirkungsvollen Gestaltung von transdisziplinären Projekten besser zu verstehen, ist die getrennte Betrachtung von Rahmenbedingungen und Gestaltungsfeldern hilfreich. Das Fachforum zur Partizipation bestätigte, dass transdisziplinäre Projekte insbesondere mit Blick auf ihre Wirkungspotenziale nicht losgelöst von ihren Rahmenbedingungen betrachtet werden können. Diese Rahmenbedingungen, z.B. die Vorgeschichte oder das Umfeld eines Projekts, beeinflussen in bedeutendem Maße die Entscheidungen der Anfangsphase, in der neben dem zu bearbeitenden gesellschaftlichen Problem auch die Grundzüge der Projektgestaltung und somit der partizipativen Schritte festgelegt werden. Im Gegensatz zu den Gestaltungsfeldern sind sie nur schwer zu beeinflussen.

 

Ergebnisse und Empfehlungen

Die Analyse der Projekte im Themenschwerpunkt Partizipation zeigte, dass der konkrete Verlauf partizipativer Prozesse entscheidend für die Wirksamkeit der Projekte ist. Um den Aufbau von Wirkungspotenzialen zu befördern und ihre spätere Aktivierung zu ermöglichen, sind die Beobachtung und Steuerung der Dynamiken in partizipativen Prozessen essentiell. Dabei sind folgende Punkte besonders zu beachten:

  • Ein kontinuierliches Mitdenken möglicher Wirkungsketten unterstützt den Aufbau von Wirkungspotenzialen. Das tatsächliche Eintreten von erwünschten Wirkungen hängt von vielfältigen Faktoren ab und kann letztlich nie garantiert werden. Trotzdem können einige dieser Faktoren im Rahmen der Partizipation positiv beeinflusst werden, beispielsweise durch Einbezug von wirkungsrelevanten Akteuren.
  • Transdisziplinäre Forschungsprojekte sind durch die Beteiligung von Praxisakteuren „anfällig“ für extern verursachte Dynamiken. Gesellschaftliche Akteure reagieren schnell und sensibel auf Veränderungen. Ihr Handeln folgt oft anderen Rationalitäten als das der Forschungsakteure. Fragen der Wirtschaftlichkeit, Nützlichkeit und Interessen beeinflussen ihre Entscheidungen.
  • Das Verhältnis der beteiligten Akteure zum Ausgangsproblem kann sich in im Laufe eines Projekts ändern. Zwischenergebnisse können dem Forschungsprozess eine neue Richtung geben, durch die manche Akteure ihre Interessen nicht mehr vertreten sehen. Dennoch gilt: Je intensiver gesellschaftliche Akteure an einem transdisziplinären Projekt beteiligt sind, umso stärker beeinflusst ihre Perspektive auf das Problem den Forschungsprozess.
  • Die Forschungspraxis zeigt: Transdisziplinäre Projekte werden mehrheitlich von der Wissenschaft initiiert und federführend beantragt. Partizipationsprozesse werden daher aus einer wissenschaftlichen Perspektive initiiert und gestaltet. Je intensiver die Zusammenarbeit mit den gesellschaftlichen Akteuren ist, umso wichtiger werden selbstreflexive Prozesse zum Rollenverständnis – auch und vor allem der Wissenschaft.
  • Eine zentrale Aufgabe der Projektsteuerung ist die iterative und rekursive Überprüfung des Partizipationskonzeptes. Anpassungen in der Beteiligtenstruktur und im Methodenmix dürfen aber nicht dazu führen, dass man den Bezug zum ursprünglichen gesellschaftlichen Problem verliert. Das ist keine triviale Aufgabe, da sich im Projektverlauf das Problemverständnis oder auch die Problemstruktur ändern können. Dies kann zum Beispiel geschehen, wenn mehr Wissen über das Problem verfügbar wird oder sich Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Gesetzeslagen, verändern.

Wirksame Partizipation muss sich also gleichzeitig auf mehrere dynamische Verhältnisse beziehen. Die Untersuchung der Projekte zeigte auf, welch hohe Relevanz die Prozessgestaltung und die Aufmerksamkeit für die Projektdynamik haben. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, wie zentral die Bedeutung von drei Faktoren ist: Das Beobachten, Verstehen und Bewerten des (1) Handlungskontexts, (2) der Interessendynamiken und (3) der Art und Weise, in der Rollen angenommen und ausgefüllt werden. Diese Faktoren zusammengenommen können eine hohe Projektdynamik entfalten, die eine iterative Überprüfungen und Anpassungen des Partizipationskonzepts notwendig machen. Allerdings benötigt diese Art der Projektsteuerung und Prozessgestaltung wiederum eine positive Kultur der Zusammenarbeit.

Mit der Beschreibung von Gestaltungsfeldern und Anforderungen schaffen wir einen Handlungsrahmen, der es erlaubt, reflektiert mit Projektdynamiken umzugehen und Wirkungspotenziale aufzubauen. Die Gestaltungsfelder spielen mitunter bereits in der Phase der Problemkonstitution eine wichtige Rolle. Aus ihnen ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Projektbearbeitenden, um Wirkungspotenziale aufzubauen. Insofern bieten diese Anforderungen eine hilfreiche Orientierung für die Gestaltung individueller und kontextspezifischer Partizipationskonzepte. Unsere Zusammenstellung von exemplarischen Methoden und Vorgehensweisen, die auf die einzelnen Anforderungen reagieren, soll Sie bei der Reflexion des eigenen projektspezifischen Methodenmix unterstützen.

Bei der Zusammenstellung der Methoden und Vorgehensweisen haben wir auf Quellen zurückgegriffen, die Methoden, Instrumente und Vorgehensweisen transdisziplinärer Forschung beschreiben. Sie lassen sich noch weiter ergänzen – und dazu möchten wir Sie im Sinne einer weiterführenden Diskussion in der transdisziplinären Community an dieser Stelle gerne auffordern.

Partizipation: Hintergrund

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Anforderungen