Thema: Problemkonstitution

Implizites explizit machen

Bereits die Beschreibung des gesellschaftlichen Problems hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wirksam transdisziplinäre Forschung sein kann. Doch was gilt es dabei zu beachten und welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Die Phase der Problemkonstitution beginnt mit der Erfassung des zu bearbeitenden lebensweltlichen Problems und reicht bis zur „Übersetzung“ dieses Problems in konkrete Forschungsfragen. In dieser Phase wird bereits der Korridor möglicher späterer Wirkungen festgelegt. Doch welche Gestaltungsmöglichkeiten bietet diese Phase für den Aufbau von Wirkungspotenzialen?

Während der Problemkonstitution stehen meist organisatorische Fragen im Vordergrund. Es überwiegt intuitives Vorgehen gegenüber den oft als gegeben erscheinenden Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Vorgaben durch Fördermittelgeber hinsichtlich Umfang, Projektdauer und Projektpartner. Die Projektauswertung von TransImpact hat gezeigt: Eine Voraussetzung zum bewussten Aufbau von Wirkungspotenzialen liegt darin, diese Rahmenbedingungen ebenso wie den eher unbewussten Umgang damit zu explizieren – das heißt sichtbar zu machen.

Schema zum Aufbau von Wirkungspotenzialen

Schema zum Aufbau von Wirkungspotenzialen in der Phase der Problemkonstitution

Grenzen und Möglichkeiten der Gestaltung

Die Unterscheidung zwischen den wichtigsten, schwierig zu beeinflussenden Strukturen – "Rahmenbedingungen" – einerseits und prioritären aktiven Handlungsmöglichkeiten – "Gestaltungspunkten" – andererseits ist ein zentrales Ergebnis aus der Analyse verschiedener transdisziplinärer Projekte im Forschungsprojekt TransImpact. Zugleich bietet diese Unterscheidung eine hilfreiche Perspektive zum besseren Verständnis der Phase der Problemkonstitution (siehe Abbildung):

  • Projekte entstehen und werden durchgeführt unter Rahmenbedingungen, die nur zum Teil beeinflussbar sind. Diese Rahmenbedingungen können förderlich oder hinderlich für die Wirksamkeit von Projekten sein. Besonders zu beachtende Rahmenbedingungen im Hinblick auf Wirkungspotenziale sind in der Phase der Problemkonstitution die Vorgeschichte von Forschungsprojekten, Förderbedingungen, heterogene Akteure und das Umfeld.
  • Gestaltungspunkte zeigen, wo die zentralen Handlungsmöglichkeiten für den bewussten Aufbau von Wirkungspotenzialen in der Phase der Problemkonstitution liegen. Damit lassen sich Prioritäten für das Vorgehen in dieser Phase setzen. Aus diesen Gestaltungspunkten ergeben sich Anforderungen an die Projektbearbeitenden, um Wirkungspotenziale aufzubauen: Interessen klären, Rollenklarheit herstellen, wirkungsrelevante Akteursgruppen im Umfeld identifizieren und Adaptivität einplanen (siehe weiter unten).
  • Methoden und Vorgehensweisen geben Hinweise darauf, wie die Anforderungen sich konkret umsetzen lassen. Sie sind hier exemplarisch unter den jeweiligen Anforderungen beschrieben. Sie lassen sich noch weiter ergänzen – dazu möchten wir Sie im Sinne einer weiterführenden Diskussion in der transdisziplinären Community gerne auffordern.

 

Ergebnisse und Empfehlungen

  • Die Vorgeschichte von Forschungsprojekten ist ein wichtiger Faktor für den Aufbau von Wirkungspotenzialen. Zum Zeitpunkt der Problemkonstitution handelt es sich dabei um eine Rahmenbedingung, da sie dann nicht mehr rückwirkend geändert werden kann. Forschungslinien, also eine Abfolge mehrerer Projekte, haben dabei ein größeres Wirkungspotenzial als einzelne, in sich abgeschlossene Projekte. Denn das Ende eines Projektes wird – als eine Form der Wirkung – zur Vorgeschichte eines Folgeprojektes. Hier besteht entsprechend mehr Gestaltungsspielraum, da in die Zukunft gedacht wird. Losgelöst vom Zeitpunkt der Betrachtung lässt sich die Bedeutsamkeit der Historizität von Forschungsprojekten für den Aufbau von Wirkungspotenzialen festhalten.
  • Sich früh im transdisziplinären Forschungsprojekt bzw. zu dessen Beginn bewusst zu machen, welche Form von Wirkungen man selber und die Partner erreichen wollen, ist wichtig für den Aufbau von Wirkungspotenzialen – dies ist eine zentrale Erkenntnis, die aber selten umgesetzt wird. Hilfreich ist hierfür eine systematische Differenzierung verschiedener Formen und Grade von Wirkungen (zum Beispiel kurz- und langfristige Wirkungen oder lokale, regionale und überregionale Wirkungen) und die Unterscheidung zwischen Ergebnissen und Wirkungen.
  • Überraschend deutlich zeigte sich im Forschungsprojekt TransImpact die Bedeutung der Heterogenität innerhalb der vielen Akteursgruppen in transdisziplinären Projekten. Das bedeutet, dass die Unterschiede auch zwischen verschiedenen Gruppen von Praxisakteuren groß sind, ebenso wie die zwischen verschiedenen Gruppen von WissenschaftlerInnen. Vor allem Unterschiede bei Kompetenzen und Wissen sowie verschiedene Interessen von Akteuren sind für den Aufbau von Wirkungspotenzialen relevant, sowohl in produktiver als auch in hinderlicher Weise. Hier sollten die verschiedenen Interessen früh expliziert und die jeweiligen Rollen im Forschungsprojekt geklärt werden.

Rahmenbedigungen transdisziplinärer Forschung

Problemkonstitution: Hintergrund

Arbeitspapier "Wirkungen verstehen und feststellen"

Anforderungen